Yarn Uni – Hawser Garn

Als erstes Garn aus dem Spinner`s Book of Yarn Desings von Sarah Anderson habe ich mir das Hawser Garn ausgesucht.

Ich dachte in meinem jugendlichen Leichtsinn, daß ein Garn, das aus 4 Singles besteht, die nur auf eine bestimmte Art verzwirnt werden, wohl nicht so schwer sein kann.

Die Tücke liegt im Detail – dazu aber dann später.

Am Beginn der Uni werde ich versuchen, ein paar Grundlagen zu erklären, die erfahrenen SpinnerInnen mögen es mir bitte nachsehen!

Für ein Hawser Garn benötigt man 4 Single Fäden, die alle in der gleichen Richtung gesponnen werden. Grundsätzlich unterscheidet man beim Spinnen Z und S Richtung (mit oder gegen den Uhrzeigersinn) – dabei ist es eigentlich total egal, ob man Z oder S spinnt, solange man weiß, daß man im Normalfall im entgegengesetzten Sinn zwirnt.

Meine Singles sind immer Z gesponnen (hab ich aber im Zuge der Recherche für diesen Artikel und den Podcast das erste Mal wirklich nachgeschaut – Ihr seht, es geht auch ohne dieses Wissen).

Also habe ich zunächst einige Meter Singlegarn gesponnen.

Für ein Hawser Garn werden immer als erstes zwei Singles zusammen verzwirnt, um anschließend diese beiden Zwirne nochmals miteinander zu verzwirnen.

Der Clou bei der Sache: Entgegen der üblichen Vorgehensweise, die Singles entgegen der ersten Richtung zu verzwirnen, werden sie bei der ersten Zwirnung in der gleichen Richtung verzwirnt. Das führt zu einem völlig überdrehten Zwirnfaden, der ziemlich widerspenstig sein kann.

Zwei Z gesponnene Singes, die nochmals z verzwirnt worden sind.

Wie Ihr auf dem Bild sehen könnt, schön ist anders. Vor allem, weil der Zwirn so viel Drall hat.

Der Trick beim Hawsergarn ist jetzt, daß dieser überdrehte Zwirn mit einem zweiten, genauso überdrehten Zwirn jetzt in Gegenrichtung nochmals verzwirnt wird (bei meinem Beispiel also in S Richtung)

Dazu ist eine gebremste Lazy Kate sehr hilfreich! Zwei Spulen mit diesem überdrehten Garn von einer ungebremsten Lazy Kate verdrehen und verknäulen sich so sehr, daß man schneller Wollkotze hat, als man das Wort aussprechen kann. Im Buch wird empfohlen, den Drall beim Zwirnen abzuklemmen, Garn von der Lazy Kate mit der zweiten Hand abzurollen, dann hinten festzuhalten und das Garn zwischen den Händen sehr stramm spannen, um dann den Drall von vorne nach hinten reinlaufen zu lassen.

Das hat erstaunlicherweise bei mir sehr gut geklappt, schaut selbst:

Fertiges Hawsergarn

Nach dem Baden und Trocknen war dieses Garn zum einen erstaunlich ausgewogen (es war kein Überdrall mehr drin, weder in die eine noch in die andere Richtung) und es war auch nicht so drahtig, wie ich es erwartet habe.

Das fertige Garn hatte nach dem Spinnen den WPI von 7, nach dem Baden waren wir bei 8 – also nicht unbedingt ein Leichtgewicht, was ich aber bei einem vierfachen Zwirn auch nicht erwartet hatte.

(WPI – wraps per Inch, eine Möglichkeit, die Dicke eines Garns zu bestimmen, indem man guckt, wie oft man es um ein Hölzchen wickeln kann, um eine Breite von einem Inch abzudecken)

Variationen

Wenn ich schonmal am Probieren bin, dann auch richtig. Zu den Testfasern (zu denen ich ja im vorherigen Artikel gesagt habe, wo ich sie herhabe – leider hab ich keine Ahnung mehr von der Zusammensetzung)  habe ich mir noch einen Kammzug in einer anderen Farbe geschnappt, ein Blau-Grün.

Auch daraus habe ich Singles gesponnen.

Bei einem Garn aus vier Singles hat man jetzt zwei Möglichkeiten:

1. Jeweils zwei gleichfarbige Singles werden zum ersten Zwirn zusammen versponnen, um anschließend das fertige Garn zu spinnen

2. Man verzwirnt jeweils einen (in meinem Beispiel grünen und gelben) zusammen, um dann diese zweifarbigen Zwirne nochmals zu verzwirnen.

Beide Möglichkeiten habe ich natürlich ausprobiert, schaut selbst:

Hawsergarn aus zwei gleichfarbigen Zwirnen
Hawsergarn aus zwei zweifarbigen Zwirnen

 

 

Mir persönlich gefällt die Variante mit den einfarbigen Zwirnen besser, das fertige Garn wirkt harmonsicher. Das hängt aber sicherlich auch von den verwendeten Farben ab, ich kann mir vorstellen, daß es bei Farben, die sich ähnlicher sind, ein anderes Ergebnis werden kann.

 

 

 

 

Strickprobe

Nach dem Baden und Trocknen habe ich mit 5er Nadeln eine Probe gestrickt.

Die Maschenprobe ist etwa 16 Maschen auf 23 Reihen. Ich persönlich finde das Garn total schön, das Strickbild gefällt mir besonders gut. Einzig die Tatsache, daß man wirklich vier Singles spinnen muß, schreckt mich ein wenig ab, aber ich kann mir die Hawsergarne sehr gut für Mützen oder Handschuhe vorstellen, eventuell sogar für einen Pullover – die Textur ist toll und das Gestrickt fällt sehr schön.

Fazit

Ein Garn, auf das ich ohne dieses Buch nie gekommen wäre und das mein Spinnrepertoire deutlich erweitert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.